Messerattacke in Lemgo – Warum der Täter freigesprochen wurde

Shownotes

🎧 Thema der Folge: Der Messerangriff in Lemgo und das Urteil gegen den Täter

📍 Darum geht es in dieser Folge:

Der Messerangriff im Supermarkt in Lemgo Der Tod eines 16-Jährigen Der Prozess vor Gericht Warum der Täter freigesprochen wurde Unterbringung in geschlossener Psychiatrie Die emotionale Reaktion der Familie Diskussionen nach dem Urteil Was das Urteil rechtlich bedeutet

🎙️ Moderation: Stanley & Sina

Transkript anzeigen

00:00:00: Tobias ist nach Hause gegangen und wie er selber sagt, er hat sich dann zuhause so sehr da reingesteigert dass die sich über ihn und seinen Gang vielleicht lustig gemacht haben.

00:00:09: Dass er sich dann das Küchenmesser mit einer Klinge von dreizehn Zentimetern...

00:00:17: Das ist so groß ne?

00:00:19: Das ist schon echt heftig!

00:00:20: Jetzt stelle ich mal vor so ein Küchen Messer Mit drei Zehn Zentimeter klicken, da machst du doch ... Weiß ich nicht.

00:00:26: Schneidest du nicht mal einen Fisch?

00:00:27: Da kannst du ja schon fast ein Reh schneiden mit.

00:00:30: Ja!

00:00:31: Und das erschreckende ist, wir haben hier ein Foto von dem Messer gesehen hinterher und da hab' ich noch gedacht was genau das gleiche Mess einer Küchenschublade

00:00:39: liegen.

00:00:52: Hallo zusammen Wir starten mit einer neuen Folge und zwar eher gesagt die erste Folge ganz besondere Folge und Unter der Lupe.

00:01:02: Und das mit Sina Heine und Stanley Dost.

00:01:05: Schön, dass du da bist, Sina!

00:01:06: Hi, freut mich!

00:01:07: Du bist ja erstens nicht nur Journalistin sondern auch irgendwie überall Redakteur... Nein, bei uns halt Redakteuren klar aber du warst ja auch schon viel unterwegs in der Weltgeschichte sag ich mal.

00:01:20: Stimmt!

00:01:21: Und du hast ... Ja Das aber noch nicht erlebt.

00:01:25: Den Prozess, über den wir jetzt sprechen ist ein sehr, sehr harter Prozess gewesen.

00:01:30: Ein sehr schlimmer Prozess und ein sehr emotionaler Prozess.

00:01:34: Wir sprechen über den Messer oder eher gesagt über den Messerstecher der einen Sechzehnjährigen im Edeka-Markt in Lemgo ermordet beziehungsweise getötet hat.

00:01:45: Und das mit zwei Messerstichen.

00:01:46: Einen neben dem Herzen und einem sogar in den Kopf um.

00:01:50: das muss man erst mal schaffen.

00:01:51: In den Kopf ehrlich gesagt Ja, jetzt gab's natürlich das Urteil.

00:01:55: Du warst bei den ganzen Prozessen mit dabei.

00:01:57: Es gab ja auch nur zwei Prozess-Tage und hast alles hautnah miterlebt.

00:02:01: Jetzt will ich dich einfach mal fragen vorab bevor wir in diese ganze Story reinschneiden oder dieses ganze Ding so richtig reingehen quasi was hat Dich am meisten bewegt?

00:02:12: Das ist ganz schwierig zu sagen.

00:02:15: also man war sehr gespannt erstmal darauf diesen Täter, den mutmaßlichen Täter von Angesicht zu Angesich zu sehen, ihm fast schon gegenüberzusitzen, getrennt durch vielleicht vier Meter Luftlinie.

00:02:30: Zu sehen wie verhält er sich im Prozess?

00:02:34: Verhöhnt er womöglich seinen Opfer noch?

00:02:36: ist er abwesend, ist er hochgradig interessiert?

00:02:42: Ist er eher teilnahmslos?

00:02:44: Das fand ich erst mal sehr spannend, also da war ich auch so ein bisschen aufgeregt muss man sagen.

00:02:49: Und als er dann tatsächlich reinkam, war man fast schon enttäuscht überrascht wenn man das überhaupt so sagen kann weil er so unscheinbar aussieht.

00:02:59: Er sieht wirklich aus wie der nette Nachbar von nebenan.

00:03:06: Da können wir ja gleich nochmal näher darauf eingehen was Ansonsten extrem emotional war, war natürlich hinterher das Schlussplädoyer und die letzten Worte des Angeklagten.

00:03:19: Und was dann passierte?

00:03:21: Aber da will ich jetzt auch nicht zu viel vorweg nehmen!

00:03:23: Ja es ist trotzdem eine traurige Geschichte.

00:03:25: Gehen wir mal auf die Geschichte ein, die ja damals passiert ist so also... Ich hab's ja genau auch von dir gehört am Telefon.

00:03:33: Du warst bei dem ersten Prozess richtig aufgelöst, du hast mir das alles quasi am Telefon gefühlt worden ... Okay es waren nur eine halbe Stunde aber wir waren eine halben Stunde am Telephone hin muss ich vorab sagen und das war ja zwischen der Pause also die erste Pause diesem ersten Prozesttag gab.

00:03:49: Und du hast mich das so detailliert gesagt dass ich mir alles so detalliert aufgeschrieben habe!

00:03:53: Ich hab den Zettel glaube ich irgendwann noch rumfliegen, aber dass sich mehr so viel schon mittlerweile eingeprägt hat ist, sondern es geht da ja angeblich darum dass dieser Mensch also einen sechzehnjährigen auf Zufall getroffen hätte und den dann ermordet hat.

00:04:13: Aber das als ZufAll so wird es ja irgendwie schon dargestellt.

00:04:18: ich sage ehrlich aus meiner persönlichen Meinung Perspektive ist jetzt eine Meinung Wirklich kann man das so sagen am falschen Ort gewesen, zum falschen Zeitpunkt?

00:04:31: Oder ist das doch eher einfach nur ein Text oder einen Satz oder eher gesagt ein Text der aufgegriffen wurde von dem Verteidiger.

00:04:40: Ja und nein.

00:04:41: Also man muss ja ganz klar sagen, wir haben vor Prozessbeginn mit dem Pressesprecher des Gerichts gesprochen Und er hat diesen Satz in die Kameras auch gesagt war im Fernsehen zu sehen, zu hören.

00:04:54: Wir haben das mit aufgegriffen.

00:04:56: Er sagte der arme Junge wäre einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

00:05:01: Da haben sich viele Leute auch darüber brüskiert muss man sagen.

00:05:06: Letzten, endes.

00:05:07: ganz nüchtern betrachtet hat er aber recht und das kann man glaube ich auch nur so sagen wenn man die Details kennt und vielleicht auch wirklich mit im Gerichtssaal saß.

00:05:18: Aber das wollen wir gleich mal aufgreifen und genau in diese Story jetzt eintauchen, warum das eigentlich so ist.

00:05:25: Wir sprechen jetzt aber erstmal über die Story.

00:05:27: was ist denn eigentlich passiert?

00:05:28: So es ging um einen Abend der ja stattgefunden hat im Edeka Markt.

00:05:33: Es ging um den Parkplatz beim Edeka-Markt hier in Lemgo Und erst war es ja so, dass wenn ich richtig bin der Junge da mit mehreren Jugendlichen war.

00:05:45: Also seinen Freunden und dann kam der Täter und stand da und fühlte sich ausgelacht.

00:05:53: So sagte er das auch im Prozess.

00:05:55: Die gingen natürlich einmal rein in den Edeka.

00:05:58: haben sich dann irgendwas geholt?

00:06:00: eher ja dann auch.

00:06:01: Er hat wohl eine Checki Cola sich geholt hat sich dann wahrscheinlich wieder Gedanken gemacht, so wie ich das verstanden habe.

00:06:07: Bis dann nach Hause hat ein Küchenmesser geholt und ist dann wieder zurück und hat gesehen dass der Roller von den Jugendlichen da noch stand und ist rein.

00:06:24: Ja,

00:06:27: ich muss eingreifen.

00:06:28: Also das war ja sehr ähnlich und zwar er hat auf diesem Parkplatz.

00:06:33: wir haben im ersten Prozess oder am ersten Prozesttag besser gesagt Wir haben die Überwachungsvideos gesehen, die wurden abgespielt Und da konnte man dann auch sehen wie er praktisch auf diesen Parkplatz zurückkommt.

00:06:49: Also der Roller war mit dem Bild und er sich umschaut.

00:06:52: Und diese drei Jugendlichen, fifteen, sechzehn-und siebzehn Jahre alt alle drei nicht da waren.

00:06:58: Dann hat der Täter tatsächlich knapp fünfzehn Minuten auf den Parkplatz gewartet bis die drei wieder kamen und hat sich ihn dann genähert.

00:07:09: Die drei konnten ihn nicht wirklich sehen.

00:07:11: Er hat sich im Prinzip von hinten genährt.

00:07:13: man sah auch im Video dass er sich zunächst auf ein Auto zubewegte, wo eine Frau ihren Einkauf einlut.

00:07:20: Diese Frau wurde auch als Zeugen hinterhergehört mit der ist aber gar nicht in Kontakt gekommen hat vorher wieder abgedreht und dann komplett straight und es dann strahlt auf die Jungs zugegangen erst erstmal ganz ruhig drauf zugegangen und auf die letzten Meter.

00:07:37: Und so haben die Jüngster's auch am zweiten Prozesstag.

00:07:40: da haben die beiden Freunde das später getöteten haben dann auch noch ausgesagt dass sie aus dem Augenwinkel gesehen haben, das sich ihnen jemand nähert und auf die letzten gefühlt acht bis zehn Meter hat er da Sprinten angefangen.

00:07:55: Und das haben wir im Video als Prozessbeteiligte, als Presse, als Zeugen, als Zuschauer alle gesehen... Was für eine Geschwindigkeit, der losgesprindet ist mit einer Hand in die Tasche griff etwas raus zog.

00:08:09: Für mich war das im Video jetzt nicht ersichtlich dass es das Messer ist aber man sah er hatte etwas in der hand mit erhobener Hand auf die Gruppe zusprintete und die gruppe praktisch im Letzt moment auseinandersprang.

00:08:23: Er mit so nach links aus dem Bild sprang mit zwei Personen.

00:08:27: Da stellte sich heraus, der also ein überlebender Freund war und das spätere Opfer, inklusive des Täters.

00:08:36: Der dritte Freund ist sofort zur anderen Seite weggesprungen und in den EDK-Markt gelaufen.

00:08:41: Der andere überlebende Freund ist halb auf die Straße gesprungen.

00:08:46: Und das späte Opfer Julius – das können wir auch so sagen hat wohl in einer Abwehrreaktion, ich meine das ist ein Reflex.

00:08:55: Den Täter irgendwie wohl geschubst.

00:08:58: dadurch ist der Täter zu Fall gekommen und es über eine kleine Erhöhung so dreißig vierzig Zentimeter nach unten gefallen hat sich auch ein bisschen verletzt.

00:09:08: er hat sich von Finger ausgekugelt er hatte Schürfwunder an der Hand.

00:09:13: Julius, das spätere Opfer ist sein Freund in den Supermarkt reingefolgt.

00:09:17: Der Täter hat sich sofort aufgerappelt und ist hinterher gerannt.

00:09:20: Auch das konnten wir alles im Video sehen.

00:09:23: Und es war aber geführten Bruchteil von Sekunden.

00:09:27: Das Gute war, dass sein Freund, der als Erster reingelaufen ist, geradeaus weiter in dem hinteren Bereich des Supermarktes gerannt wird.

00:09:35: Und Julius, späterer Opfer, ist rein und nach links zwischen die Kass... Erst nach links, in diesem Kassenbereich ist da aber irgendwie zu Fall gekommen.

00:09:48: Die beiden Kassiererinnen die an dem Abend da waren, die waren auch als Zeugin geladen und sie sagten da wären weil Halloween ja auch bevorstand eine Popcorn-Eimer aufgebaut gewesen.

00:09:58: und da ist er irgendwie zu Fall gekommen, noch in diesen Berg mit Popcorn Eimern wohl halb reingefallen.

00:10:05: Und er hatte gar nicht mehr die Chance sich irgendwie aufzurappeln weil der Täter so dicht hinter ihm war, sich sofort auf ihn gestürzt hat, obwohl auch noch irgendetwas geschrien hat.

00:10:15: Der Täter selber hat ausgesagt, er hat ja ganz umfassend ausgesagt dass er wohl etwas geschrien hat oder glaubt, geschrien zu haben.

00:10:24: Du hast mich das letzte Mal beleidigt.

00:10:26: Da müssen wir gleich auch noch mal ein bisschen näher drauf eingehen.

00:10:30: Das ist schlimm!

00:10:31: Ja es ist wirklich schlimm aber ich finde es ist auch total wichtig all diese Details nochmal zu betonen um auch alle Seiten gut beleuchten zu können hat dann in die Brust gestochen, hat dabei die Hauptschlagader getroffen und den rechten Herzbeutel.

00:10:52: Hat das Messer rausgezogen und hat ihm dann nochmal in den Kopf im Schlefenbereich gestocht und hat das Messers dort stecken lassen, hat sich aufgerichtet, hatte selber blutige Hände, hat noch mal die Mittelfinger in die Kamera gezeigt und hat den Markt sofort verlassen.

00:11:11: Der Freund, der Dritte, der draußen geblieben ist.

00:11:13: Das konnten wir auf den Kameras sehen dies die Aufnahmen vom Parkplatz gemacht haben hatte sein Handy gezückt und wollte filmen und wollte eigentlich hinterher oder hat gefilmt und wollte dann in den Markt um zu gucken ob er irgendwie helfen kann.

00:11:27: da kam der Täter aber schon wieder raus und schrie nach eigenen Aussagen schrie wohl auch etwas wie jetzt kannst du nicht mehr pöbeln.

00:11:37: Und hat dann wohl auch Autofahrer auf dem Parkplatz angesprochen.

00:11:42: Sie sollten bitte die Polizei verständigen, er hätte gerade jemanden abgestochen und dann hat der sich dahingestellt und gewartet bis die Polizei kam und ihn praktisch verhaftet hat.

00:11:53: Das war zum Beispiel, ja das ist ganz schön harter Tobark.

00:11:56: Da muss man erst mal schlucken.

00:11:57: Ja

00:11:58: also und man kriegt auch Gänsehaut so ein bisschen und irgendwie...das ist

00:12:01: heftig!

00:12:02: Also ich erzähle es ja jetzt nicht zum ersten oder zum zweiten Mal weil natürlich viele beteiligte Menschen aus meinem Umfeld hier in der Redaktion selbstverständlich die Kollegen alle natürlich wissen wollen wie wars wer hat was ausgesagt einfach für unsere Neutrale Berichterstattung.

00:12:20: Deswegen

00:12:21: tun wir das jetzt auch noch mal aufarbeiten, damit wir darüber sprechen können.

00:12:25: was ist denn jetzt genau gewesen im Prozess?

00:12:27: worüber wurde gesprochen?

00:12:28: und das war jetzt ein Teil der ja zum Beispiel besprochen wurde.

00:12:32: du sagst es gerade der Täter hat alles detailliert beschrieben und komplett ausgesagt?

00:12:37: Ja das hat einem tatsächlich auch während des Prozesses eine absolute Gänsehaut bereitet.

00:12:45: Noch vor Prozessbeginn hat er, haben seine Anwälte gesagt.

00:12:48: Er möchte schon vor Prozesse Beginn etwas sagen und dann hat der Täter sich auch Tobias, Tobias heißt er, hat Tobias Gleich gesagt, er möchte sich entschuldigen bei den Eltern und der Familie.

00:13:00: Bei allen Beteiligten.

00:13:02: Er wisse auch, dass seine Entschuldigung den Julius nicht zurückbringt.

00:13:07: Und das er nichts tun kann was diese Tat entschuligt.

00:13:10: Dass er die volle Verantwortung bereit ist dafür zu übernehmen was er getan hat.

00:13:17: Das war schon mal ziemlich heftig.

00:13:19: Das ist richtig heftig!

00:13:20: Das ist eigentlich ungewöhnlich

00:13:22: Das stimmt.

00:13:23: Das haben uns tatsächlich auch für Augengespräch die Anwälte dann so gesagt, dass das nicht üblich ist.

00:13:30: Trotzdem hatte man natürlich auch den Eindruck, dass er maximal gut von seinen Verteidigern beraten worden ist – was natürlich auch die Aufgabe der Verteiliger ist, das maximal beste Ergebnis für ihre Mandanten herauszuholen.

00:13:44: Und dann hat der Tobias tatsächlich ganz detailliert ausgesagt.

00:13:46: Er hat erst von seiner Kindheit berichtet seine Mutter schon an Schizophrenie erkrankt war.

00:13:51: Er dadurch im frühen Kindesalter zu seinem Vater gewechselt ist, der selber Lehrer für Deutsch und Englisch ist.

00:13:58: Sie haben erst in Reine gelebt, sind dann hinterher nach Dürrentrupp gezogen, hat sich aber sehr abgelehnt gefühlt von seinem Vater, zu dem er eigentlich vorher glaubte, ein gutes Verhältnis gehabt zu haben.

00:14:09: Und so ist er sehr früh mit Drogen in Kontakt gedruckt.

00:14:14: gekommen, mit dreizehn Finger das Konsumieren an und es hat sich dann natürlich hinterher gesteigert.

00:14:20: Das war Cannabis am Vitamine, hinterher aber tatsächlich auch Heroin durch die Spritze.

00:14:25: Zwischenzeitlich war er immer wieder mal in einer psychiatrischen Klinik und hat sich aufgrund seiner Schizophrenie behandeln lassen denn man muss sagen der Täter ist alles andere als dumm!

00:14:37: Er stand kurz vorm Abitur und hätte auch ein richtig gutes Abiturm machen können, bis seine Schizophrenie sich dem Ganzen wirklich wegbahnte.

00:14:45: Und er dann kurz vom Abiturt praktisch nicht mehr die Prüfung machen konnte weil er sich in eine langfristige stationäre Therapie begeben hat.

00:14:54: Ja und dann hat das Ganze im Prinzip Alles ein bisschen Fahrt aufgenommen, dieser Drogenkonsum und die Schizophrenie.

00:15:01: Das war einfach ein ganz gefährlicher Cocktail.

00:15:04: Das hat der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter hinterher in seinem Gutachten auch nochmal betont.

00:15:12: Es hat er auch noch mal betont dass das praktisch supergefährlich für dieses Verhalten dann natürlich ist.

00:15:18: Tobias hat dann wohl auch, dass sich das Leben zu nehmen, ist aber rechtzeitig gefunden worden.

00:15:25: Er war zwischenzeitlich tatsächlich auch mal drogenfrei und dann hat das Ganze wieder richtig Fahrt aufgenommen.

00:15:31: Und an dem besagten Tatamt am zwanzigsten Oktober, im Jahr zweitausendfünfzwanzig war er tatsächlich auf Amphetamine.

00:15:40: Das ist nachgewiesen worden in seinem Blut später, aber er brauchte auch unbedingt noch Cannabis.

00:15:46: Er war auf Cannabis in Zug sozusagen und konnte sich kein Cannabis mehr besorgen.

00:15:51: Er hatte eigentlich vorwohl mit dem Zug bis nach Bielefeld zu fahren weil er meinte da Cannabis zu bekommen.

00:15:57: Der Zug fuhr aber an dem Tag nicht und der schienene Ersatzverkehr das war ihm zu kompliziert.

00:16:02: also so schlimm das is und so traurig dass alles klingt was trotzdem irgendwie eine Verkettung von Unglücklichen Umständen, die das Ganze immer noch weiter aufgeputscht hat.

00:16:16: Jetzt

00:16:16: ist dann die Frage wäre der Schienersatzverkehr für ihn doch einfacher gewesen?

00:16:20: Wäre er bis nach ja weiter weggefahren und hätte sich dann wahrscheinlich sein Katabiss besorgt richtig?

00:16:26: Genau weil er später tatsächlich vom Richter gefragt wurde wenn sie Kanabis an diesem Tag bekommen hätten was wäre dann passiert?

00:16:32: Und da hat Tobias eindeutig gesagt dann wäre das wahrscheinlich nicht passiert.

00:16:38: Ach du meine Güte.

00:16:39: So war er nämlich dann unterwegs, also ... Er hatte eine stark ausgeprägte psychotische Phase, sprich die Schizophrenie, war sehr stark ausgepregt in dem Moment.

00:16:51: Er war auf Amphetamine und auf Cannabis entzug.

00:16:54: Der Gutachter, der psychiatrische Gutachta hat das später so bezeichnet dass er praktisch mit diesen Drogen wie Gas-und Bremse hatte.

00:17:03: Die Amphitamine sind für ihn das Gas gewesen und das Cannabis die Bremsen.

00:17:07: Und diese Bremse hat an diesem Abend, muss man einfach so sagen, gefehlt.

00:17:11: Was das natürlich nicht irgendwie relativieren soll oder beschönigen soll.

00:17:15: ich meine Drogen wissen wir alles ist überhaupt keine Option.

00:17:19: und um sich von diesem Entzug ein bisschen runter zu bringen, ist er spazierengegangen weil er nur ein paar Minuten fußläufig vor dem besagten Edeka entfernt wohnte Und ist zu diesem Parkplatz hin und da waren halt diese drei Jugendlichen.

00:17:34: Die sind zu dritt auf dem Roller gefahren, sind da angekommen und haben irgendwie gelacht.

00:17:40: Der Tobias sagte dass er sich dadurch provoziert gefühlt hat weil er dachte sie würden sich über ihn lustig machen.

00:17:46: Er sprach sogar von einer Stimme die er gehört hätte das man gesagt hätte.

00:17:51: oder er meinte gehört.

00:17:52: so haben guck mal wie komisch läuft der denn?

00:17:55: später hat er nicht mehr ausgeschlossen, dass das vielleicht eine Stimme in seinem Kopf war.

00:17:59: Weil er auch früher schon Stimmen vernommen hat die auf die Schizophrenie zurückzuführen sind und ist dann in den Eddickereien.

00:18:06: und diese drei Jugendlichen auch.

00:18:08: Die haben teilweise sogar im selben Gang gestanden kannten sich vorher wie gesagt nicht und hatten auch im Supermarkt selber keinerlei Kontakt mehr.

00:18:17: Und die Jugendlichen hattest du ja gerade erwähnt Wie sieht es aus mit den Jugendlichen?

00:18:22: Haben die dazu auch ausgesagt und gesagt, nein sie hätten nicht dieses das da gesagt was er in seinem Kopf sich ausgedacht hätte.

00:18:31: Genau das ist alles am zweiten Prozesttag gelaufen.

00:18:34: Da haben die beiden Jungs, die beiden Freunde des späteren Opfers Julius ausgesaght und dass sie gesagt haben Sie hätten ihn überhaupt nicht wahrgenommen geschweige denn dass sie über ihn gelacht hätten.

00:18:43: der Herr Richter hat sogar noch gefragt Habt ihr euch dann über irgendjemanden lustig gemacht, über irgendetwas unterhalten?

00:18:50: Worüber ihr euch lustig macht habt.

00:18:52: Wodurch man annehmen konnte dass ihr über etwas oder jemanden lacht selbst wenn es keine anwesende Person gewesen wäre.

00:18:59: aber da waren die Erinnerungen sehr vage und eigentlich kamen die Jungs zu dem Schluss das sie sich nicht lustiggemacht hätten und schon gar nicht über den Angeklagten Weil, wie gesagt sie ihn gar nicht wahrgenommen haben.

00:19:12: Das Spannende ist aber... Wie gesagt die standen im selben Gang hatten keinerlei Kommunikation und danach sind alle vier der spätere Täter das Opfer und die Freunde haben alle vier den Supermarkt wieder verlassen.

00:19:24: diese drei Jugendlichen sind dann zum Döner-Basar gegangen Und haben da erst mal Döner gegessen und der Tobias ist nach Hause gegangen.

00:19:33: Wie er selber sagt, er hat sich dann zuhause so sehr da reingesteigert dass die sich über ihn und seinen Gang vielleicht lustig gemacht haben, dass er sich das Küchenmesser mit einer Klinge von dreizehn Zentimetern... Das ist uns später erschreckend!

00:19:48: Guck mal, das ist so groß ne?

00:19:49: Das ist schon echt heftig!

00:19:51: Jetzt stelle ich mal vor ein Küchen Messer mit dreizehntzentimeter Klingen.

00:19:56: Da machst du doch weiß Ich schneide es zu nicht mal einen Fisch, da kannst du ja schon fast ein Reh schneiden mit.

00:20:02: Und das erschreckende ist wir haben hier ein Foto von dem Messer gesehen hinterher und da habe ich noch gedacht Du hast genau das gleiche Mess in der Küchenschublade liegen!

00:20:10: Scheiße...

00:20:11: Also das war nochmal so oh Gott.

00:20:14: also dafür muss es kein spezielles Messer sein oder so.

00:20:17: wie gesagt er hat sich den Küchenmesser genommen und ist dann wieder zurückgegangen.

00:20:20: Und

00:20:21: dass alleine bei einem richtigen Kopf mit Knochen eben zu schaffen.

00:20:25: Da muss er ja wirklich eine Wucht gehabt haben, oder?

00:20:28: Ja und das war tatsächlich auch so.

00:20:30: der einzige Punkt, der dann kurz ein bisschen schwammig war.

00:20:34: Der Tobias ist praktisch mit diesen Küchenmesser in der Tasche wieder zurückgekommen und wie gesagt wir haben ja diese Kameraaufnahmen vom Parkplatz die wurden im Gericht abgespielt.

00:20:43: Die haben wir gesehen!

00:20:44: Und wir konnten sehen wie der Tobias auf dem Parkplatz steht sich umguckt und von seiner Bewegung her auch nicht besonders ruhig wirkte, sondern schon eher hektisch würde ich jetzt sagen.

00:20:56: Und dann hat er nur noch diesen Roller dastehen sehen aber die drei Jugendlichen waren nicht da.

00:21:01: Dann hat er fünfzehn Minuten lang auf diesem Parkplatz gewartet bis die Jugendlichen vom Döneressen wieder kamen.

00:21:10: Wie gesagt, hat erst die Schleife an der Frau mit ihrem Einkauf vorbeigemacht bis es dann dazu kam.

00:21:18: So, und dann ging das ja so.

00:21:19: wie gesagt Julius ist im Kassenbereich zu Fall gekommen.

00:21:23: der Täter Tobias hat sich auf ihn drauf gestürzt soll was wir eben schon gesagt haben dass gerufen haben hat ihm letzten Endes in den Kopf gestoßen und beim zweiten Stich in den kopf gestochen hat das Messer da stecken lassen.

00:21:37: Und da wurde auch vom Richter ganz detailliert nachgefragt, wie gesagt was für eine Wucht das ja gewesen sein muss und er sagte der Tobias dass er sich dessen gar nicht so bewusst war.

00:21:48: also er sagt ja er hätte in den Brustkorb gestochen aber beim zweiten mal das wäre eher wie ein Fallenlassen des Messers gewesen.

00:21:57: und dann hat das Gericht natürlich berechtigterweise eingehakt und hat auch gesagt naja durch einen Also durch ein Messer, das fallen gelassen wird.

00:22:05: Schafft man es nicht?

00:22:06: Das Messer so in den Kopf zu stechen, zu rammen, dass es stecken bleibt oder überhaupt wie wir jetzt gerade auch sagen die Schädeldecke, die den Knochen überhaupt so zudurch trennen.

00:22:19: und da war man sich dann halt schnell einig, dass schon eine gewisse Wucht hinter gesessen haben muss ja.

00:22:25: Und das ist ja auch wirklich das Problem.

00:22:27: also man stellt sich davor Der Jugendliche ist da im Kassenbereich und dann sticht da plötzlich einer zu.

00:22:34: Wie war denn das eigentlich für die Leute, die dort waren?

00:22:37: Weil es ist ja ein Supermarkt!

00:22:40: Das sind ja Kassierer... Da sind ja auch Leute, der einkaufen gehen.

00:22:45: Wer war denn da alles?

00:22:46: Und was haben die wahrgenommen?

00:22:49: Also ich glaube Gut war für alle Beteiligten, dass es halt abends halb neun schon war und dementsprechend nicht mehr so viel Betrieb im Laden war.

00:22:58: Es waren einen Montagabend am Wochenende hätte das vielleicht nochmal anders ausgesehen Und dadurch waren zwei Kassiererinnen im Kassenbereich, die aber nicht direkt an der Kasse saßen sondern Einräumtätigkeiten an der Katze gemacht haben.

00:23:11: Weil einfach wenig Kundschaft auch da war und die haben genau daneben gestanden als es zu dieser schrecklichen Tat kamen.

00:23:18: Die haben gesagt direkt danebengestanden, die haben hinterher schwer unter Schock gestanden.

00:23:22: Die wussten nicht mehr wie sie den Notruf wählen sollten.

00:23:27: Die sind bis heute natürlich in psychologischer Behandlung.

00:23:31: Eine der Kassiererinnen ist tatsächlich auch wieder am Arbeiten, weil sie auch klipp und klar sagt... Für sie muss es weitergehen, ihr Leben kann jetzt nicht stehen bleiben.

00:23:39: Die andere Kassiererin hat wohl angefangen wieder zu arbeiten.

00:23:43: und dann gab es noch mal im Dezember letzten Jahres einen Vorfall das wohl sie auch eine Abendschicht hatte in einem Gangstand und etwas eingeräumt hat und dann auch hörte wie scheinbar Jugendliche ausgelassen die man das halt dann auch mal so macht oder wie jung Wie man das dann halt auch mal so macht, wie Jugendliche ja gut gelaunt durch einen Supermarkt laufen können.

00:24:04: Es war wohl etwas lauter, sie hörte, wie die am Lachen sind und das hat bei ihr wohl ... Das hat sie so getriggert, weil er hier ein Flashback ausgelöst, obwohl gar nichts passiert ist und diese Jugendlichen nicht randaliert haben, gar nichts Böses wollten sondern einfach nur gut drauf waren.

00:24:19: dass sie gesagt hat ich kann nicht mehr Ich muss nach Hause Und seitdem auch nicht arbeiten kann

00:24:25: Das ist schon heftig.

00:24:26: Was das vor allen Dingen mit den Leuten jetzt macht, wandert denn noch mehr?

00:24:30: Also du sagtest vor uns was von einer die auf dem Parkplatz war und gerade etwas eingeräumt hat.

00:24:36: Die hat auch als Zeugen ausgesagt.

00:24:40: Was hat sie denn wahrgenommen?

00:24:42: Sie hat selber von der Tat an sich natürlich nicht viel mitbekommen wie gesagt.

00:24:46: Der Täter ist ja aufgefallen weil er so oft zu kamen und auch sehr grimmig schaute Aber er schwenkte dann ja ab und viel mehr konnte sie zu dem Ganzen tatsächlich auch nicht aussagen.

00:24:57: Was erschreckend war, also wie gesagt es waren ja mehrere Leute im Supermarkt, wenn's auch nicht voll war unter anderem eine Polizistin die nicht in Dienst war, die sich einfach noch schnell etwas kaufen wollte.

00:25:09: Die hat dann gut reagiert.

00:25:11: Sie hat die Tat an sich nicht gesehen Hat aber gesagt durch ihren Beruf ist sie natürlich ganz anders gepohlt und realisiert, ganz schnell durch Geräusche und Umstände das gerade etwas nicht passt.

00:25:24: Und dann hat sie direkt auf der Wache angerufen und ich die Leitstelle weil sie wusste okay da sind ein paar wertvolle Sekunden die schneller sind und dieses Anrufprotokoll dieser Notrufe von ihr ist hinterher auch verlesen worden.

00:25:38: Sie dachte halt zunächst, okay sind das streitende Personen, handelt es sich vielleicht um Schlägereine, drohende Schlägerei?

00:25:43: Sie hörte halt Rufen laufen!

00:25:44: Sie hörten das Wort Messer hat dann ein Notruf bei Kollegen abgesetzt und die Verschriftlichungen des Notrufs ergab.

00:25:51: er ist um zwanzig Uhr acht und zwanzich abgesetzt worden gegen drei Minuten sechsundzwanzig Sekunden Und sie rief nur ins Telefon.

00:25:58: Sie war am Schluchzen, sie war am Wein.

00:26:00: schick alles schick Alles Oh Gott, und dann wieder schluchzen.

00:26:05: Und der ist vielleicht tot.

00:26:06: Schick alles was du schicken kannst!

00:26:08: Wir müssen eine Fahne um komplett in Bracke raus geben.

00:26:11: Schicke alles.

00:26:12: Oh Gott er isst vielleicht zwanzig.

00:26:14: Sie schluchtste wieder sie weinte.

00:26:16: Schik alles was geht.

00:26:17: da liegt einer mit Messer im Kopf am Boden alle Heulen.

00:26:21: Dann war sie selber am Heulen und dann brach das Ganze auch schon ab.

00:26:24: Ich habe jetzt schon wieder Gänsehaut, weil sie auch während ihrer Aussage so am Wein war und sie das immer noch so mitnimmt.

00:26:32: Und man muss einfach sagen, Sie ist Polizistin – auch wenn sie in dem Moment natürlich privat unterwegs war – aber sie ist Poli-Zistin!

00:26:38: Und sie sieht so viele schlimme Dinge…sie ist auf SO viele Dinge geschult... Und das hat sie so mitgenommen.

00:26:44: Das hat sie auch gesagt, Sie kann zwar arbeiten keine Frage aber dass sie das ganz viel Kraft kostet und dass die das immer noch nicht richtig verarbeitet hat was da passiert ist.

00:26:55: Das ist schon krass ja!

00:26:56: Und dass es sie insbesondere so mit genommen hat weil sie in dem Moment tatsächlich obwohl sie ja drauf trainiert ist nicht in der Lage war zu helfen.

00:27:06: Also das nimmt sie am meisten mit?

00:27:08: Das ist nicht schön überhaupt nicht schön.

00:27:11: Gerade wenn man so einen Beruf auch noch hat und dann ständig sowas vielleicht mit einem Messer sieht, dann weiß ich nicht was bei ihr hochkommt.

00:27:18: Im Kopf das ist ja immer das Problem.

00:27:20: aber es gab ja noch mehr Zeugen und die haben ja auch noch ausgesagt.

00:27:25: im Prinzip hat der Täter am Ende alles zugegeben.

00:27:29: Der Täter hat gesagt wie du ja schon vor uns erwähnt hattest tut ihm alles leid.

00:27:35: Und jetzt kommt so der Punkt über den wir mal sprechen müssen Die Zeugen.

00:27:38: Wir haben jetzt das Videomaterial.

00:27:41: Jetzt kommen wir noch zu dem einen Punkt, wo das Videomaterial demjenigen selbst noch einmal gezeigt wurde.

00:27:47: Wo nicht jeder zuschauen konnte.

00:27:49: Genau und das ist das Video von der eigentlichen Tat!

00:27:52: Es gibt ein Video aus dem Supermarkt selber von der Tat, wo man das wohl wirklich ganz explizit sieht.

00:28:00: Dieses Video ist natürlich nicht öffentlich gezeigt worden sondern nur vorne am Richtertisch.

00:28:05: da wurden Alle Parteien natürlich nach vorne gebeten, die Eltern haben sich das selbstverständlich nicht angeguckt.

00:28:10: Und der Tobias ist auch gefragt worden, obwohl er das Video schon kannte ob er sich das nochmal anschauen möchte.

00:28:17: und ja wollte er und dann sind alle hinter den Richtertisch unter anderem auch der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter.

00:28:25: Das fand ich sehr interessant einfach zu sehen.

00:28:27: Ich meine, ich hätte das auch nicht sehen wollen muss ich ganz klar dazu sagen.

00:28:32: Mein Blick ging immer zwischen dem Angeklagten und dem Psychiater hin und her.

00:28:36: Warum?

00:28:37: Weil ich natürlich sehen wollte, wie schaut er bei seiner Tat ... Also wenn er seine Tat selber noch mal sieht was tut sich in seinem Gesicht lacht er womöglicherweise dann hätte ich ihm diese Entschuldigung zum Beispiel schon gar nicht mehr abgekauft bricht vielleicht selbst noch in Tränen aus.

00:28:56: also einfach so.

00:28:57: dieses emotionale ist ja ganz kalt dabei.

00:29:01: Und der Psychiater, das muss man ja auch so sagen.

00:29:03: Das ist seine Aufgabe.

00:29:05: Der hat nicht aufs Video geschaut sondern er hat wirklich nur das Gesicht des Angeklagten beobachtet und hat wirklich geguckt.

00:29:13: was tut sich in dem Moment wo er diese Tat sieht?

00:29:15: Was tut sich an seinem Gesicht?

00:29:18: Und deshalb wie gesagt habe ich auch noch mehr so mein Augenmerk darauf gelegt und man muss einfach sagen Es tat sich nichts.

00:29:26: Er hat aber auch nicht gelacht, er hat seinen Opfer nie verhöhnt, muss man dazu sagen.

00:29:32: Aber er hat auch nicht geweint in dem Moment.

00:29:35: Also so eine ganz ... wie ein M quasi einfach so mittelmäßig.

00:29:40: Er stand da einfach ohne Emotionen.

00:29:44: schon krass, muss ich ehrlich sagen.

00:29:46: und dann kommt es ja noch dazu, nicht nur das Video war ja das Schlimme wahrscheinlich Da kommen ja auch noch andere Faktoren mit Hinzu.

00:29:54: Die ganzen Zeugen haben mir ausgesagt und ich glaube, das Allerwichtigste was in diesem Prozess passiert ist und was viele Leute nicht so ganz verstanden haben ist... Ich weiß, ich sehe es Gänsehaut und

00:30:05: Co.,

00:30:05: du hast ja alles mitbekommen.

00:30:06: im Endeffekt!

00:30:08: ...ist dass der Vater, also die Familie eher gesagt der Vater dem sogar vergeben hat?

00:30:16: Ja, also das war wirklich heftig, die Schlussplädoyers.

00:30:21: Es waren sich alle einig, dass er zumindest vermindert schuldfähig ist und diese komplette Schuldunfähigkeit konnte ja nicht komplett ausgeschlossen werden.

00:30:32: Und nach dem deutschen Gesetz heißt es nun mal im Zweifel für den Angeklagten so das eigentlich allen Beteiligten klar war, der ist schuldunfähig weil man diese Schuldunfähigkeiten nicht komplett ausschließen konnte.

00:30:45: Nachdem die Schlussplädoyers gehalten wurden Geilt das letzte Wort nochmal dem Angeklagten.

00:30:50: Und da hat er richtig mit sich zu kämpfen gehabt, er hat geschlucht und musste sich immer wieder sammeln.

00:30:56: Noch mal gesagt dass er sich nochmals bei allen entschuldigen möchte auch wenn er weiß dass den Julius nicht zurückbringt und dass es ihn selber zerreißen würde die Eltern in der Nebenklage zu sehen wie gebrochen sie dort sitzen und wissen, dass Sie ihren Sohn nie wieder in die Arme schließen können.

00:31:16: Und er hofft, dass sie eines Tages im Himmel wieder vereint sind und sich auch bei allen anderen Beteiligten als Zeugen da waren und jetzt etwas davon tragen entschuldigen möchte.

00:31:27: Er möchte, dass die Öffentlichkeit vor ihm geschützt wird, weil er Angst hat, dass er sich womöglich nicht unter Kontrolle hat schon darum gebeten hat, eigentlich weggeschlossen zu werden.

00:31:41: Und dann wollte die Kammer sich zur Beratung zurückziehen und erhob sich der Vater des Getöteten.

00:31:47: Das war wirklich so ein Moment wo der ganze Gerichtssaal den Atem angehalten hat.

00:31:53: Du hast es schon gesagt ich habe jetzt schon wieder Gänsehaut weil das so heftig war.

00:31:57: Dieser Vater unter Tränen mit gebrochener Stimme sagte ja dass dieser Tod sinnlos war und es nichts Sinnloseres hätte geben können, aber dass sie keine Sklaven der Gewalt sein wollten.

00:32:14: Und ihm deshalb vergeben würden.

00:32:16: Wow!

00:32:17: Das war so heftig und mir läuft jetzt schon wieder ein Schauer über den Rücken.

00:32:22: und selbst die Verteidiger des Tobias, denen ist glaube ich so ein bisschen alles aus dem Gesicht gefallen kann man sagen, gut dann zog die Kammer sich zurück.

00:32:32: Wir haben den Gerichtssaal erst mal verlassen für eine halbe Stunde und einer der Verteidiger ist raus an diese Brüstung.

00:32:40: das ist im Det-Moderlandgericht.

00:32:42: es ist so ein bisschen wie so ne Galerie und da lehnt er sich drauf und du merktest richtig wie er schwer atmete und erstmal durchatmen musste und dann falle ich ihn ja jetzt schon kannte auch und wenn ich hingang hat gesagt Mensch das war schon heftig oder erleben sie sowas öff das mal.

00:33:00: Und dann schüttelt er auch nur den Kopf und sagt da, also er würde das in seinem Job natürlich öff dass Mal machen und öff Das schlimme Dinge sehen hören.

00:33:08: aber das wie jetzt gerade dieses sich nochmal entschuldigen seines seines Mandanten und Dann die reaktion des vaters der familie sowas hätte er in seinem leben noch nicht erlebt.

00:33:19: das

00:33:19: ist auch ein ziemlich krasse story muss man sagen.

00:33:21: ja also schon so na auch the true und gute story weil es geht Ja am ende ja doch um Vergebung.

00:33:29: Ja, und ja das ist ja eigentlich so eine Art ich sag mal christlicher Hintergedanke aber das ist auch in dem Fall so.

00:33:37: also sind die Eltern tatsächlich irgendwie so christlich angehaucht weiß man dass?

00:33:41: Also das ist wohl sehr auf den Glauben basiert dass sie dem Täter auch vergeben möchten um weiterleben zu können so haben Sie das auch ausgedrückt um weiter leben zu können.

00:33:51: Sie haben ja noch vier andere Kinder das muss man ja auch dazu sagen für jüngere Kinder.

00:33:55: Julius war das erste Kind.

00:33:57: Das ist schlimm.

00:33:58: Gerade das erste Kind ist ja dann wirklich ...

00:34:01: Während der Schwangerschaft mit Julius hat seine Mutter wohl an einem Hirntumor gelitten und wurde daran auch operiert.

00:34:07: während der Schwangerschaft, die Geburt von Julius war wohl auch nicht einfach und was auch alle sehr mitgenommen hat Es wurde noch mal betont, was für ein gutes Leben Julius geführt hat.

00:34:18: Was für ein toller Mensch er war!

00:34:22: Er hat einen Spendenlauf unter anderem organisiert.

00:34:25: Vor allem für eine Hilfsorganisation in Afrika, wo das ganze Geld dann hingespendet wurde und... Mich überkommt es hier schon wieder.

00:34:34: Er hatte einen Patenkind in Afrika und er hat die Hälfte seines Kindergeldes diesen Patenkind monatlich gespendet.

00:34:44: Und man darf nicht vergessen, als er getötet wurde ... Als er getölt wurde war er sechzehn Jahre alt.

00:34:51: Wenn man sich manche Sechzehennjährigen oder Jünger anschaut wie unreif manche Menschen dann noch sind was der Entwicklung natürlich auch geschuldet ist und aber sieht was für eine Güte und was für ein Liebe und großes Herz Julius scheinbar hatte.

00:35:08: Wie gesagt ich kannte ihn vorher natürlich auch nicht.

00:35:12: Das macht schon was mit einem und da wirklich live zu sitzen, diese gebrochenen Eltern zu sehen.

00:35:18: Und auf der anderen Seite ohne das irgendwie gut zu heißen aber auch das zerstörte Leben des Täters zu sehen!

00:35:26: Da sind so viele Emotionen die da auf einen einprasseln dass man selbst wenn man abends zu Hause sitzt und aus diesem ganzen Prozess raus ist und eigentlich abschalten will muss.

00:35:37: Diese Gedanken hat man im Kopf, man denkt darüber nach.

00:35:39: Man denkt abends im Bett noch drüber nach morgens auf dem Weg wieder ins Studio beschäftigt man sich damit einfach weil es so besonders ist und weil man einfach so viele Emotionen mitgenommen

00:35:49: hat.

00:35:50: Ja deswegen ist das schon nicht nur krass sondern auch dass er...das was da auch vorgelesen wurde diese ganze Story wie sie passiert ist und wie sie ausgegangen ist und darüber müssen wir jetzt noch sprechen.

00:36:03: Der Ausgang, also quasi im Sinne von die Verurteilung.

00:36:08: Was ist jetzt eigentlich richtig?

00:36:10: Wir haben so viele Kommentare auf unseren Social Media Kanälen auch schlechte natürlich muss man sagen aber auch viele, die sich fragen wird er jetzt wirklich freigesprochen oder nein nicht ganz und darüber müssen wir jetzt noch mal sprechen.

00:36:25: Er wurde ja freigesprochen das ist richtig Aber wie geht es denn jetzt weiter für ihn?

00:36:30: Also, das ist tatsächlich ein bisschen komplizierter.

00:36:32: Die Kammer kam von der Beratung zurück und es hieß dann natürlich im Namen des Folges ergeht folgendes Urteil – Der Angeklagte wird frei gesprochen!

00:36:41: Und dann war Ruhe und alles setzte sich.

00:36:44: Dann hat der Richter noch mal die ganze Tat vorgelesen alle Punkte mit Einbezogen

00:36:50: etc.,

00:36:52: Dadurch, dass wir in Deutschland diesen Leitsatz haben im Zweifel für den Angeklagten und wer ja zum Schluss des Prozesses auch das Gutachten des psychiatrischen Gutachters gehört haben.

00:37:06: Der eindeutig sagte er ist auf jeden Fall aufgrund seiner Schizophrenie vermindert schuldfähig.

00:37:12: aber eine komplette Schuldunfähigkeit kann einfach nicht zu hundert Prozent ausgeschlossen werden.

00:37:19: kommen wir zu diesem Knackpunkt und zu diesem ganz wichtigen Punkt, weil es nicht ausgeschlossen werden kann.

00:37:26: Könnte es also auch möglich sein dass er komplett schuldunfähig ist?

00:37:32: Und dadurch...

00:37:33: Da schließt sich dieser Kreis im Zweifel für den Angeklagten.

00:37:38: Deshalb ist es auch betont worden Es war Mord.

00:37:43: Das Mordmerkmal der Heimtücke ist erfüllt.

00:37:47: das heißt Das Opfer muss arg und wehrlos gewesen sein.

00:37:52: Und das war Julius mit seinen Freunden, sie waren arglos.

00:37:55: Sie waren gut drauf.

00:37:56: Sie haben das Ganze nicht kommen sehen.

00:37:57: Sie standen teilweise mit dem Rücken zum Täter und sie waren wehrlos.

00:38:01: Das hat auch der Psychiater noch mal betont.

00:38:04: Den Jugendlichen blieb keine Möglichkeit der Verteidigung es bleibt nur die Möglichkeit der Flucht.

00:38:11: Dementsprechend ist das Mordmerkmal Heimtücke voll ins erfüllt.

00:38:15: deshalb ist es nicht Totschlag sondern Mord.

00:38:18: Die Verteidiger haben das nochmal etwas anders gesehen, aber es ist so geurteilt worden.

00:38:24: Aber wie gesagt er gilt als schuldunfähig und deshalb heißt es Freispruch.

00:38:30: Das bedeutet nicht dass er auf freien Fuß kommt.

00:38:33: nach Paragraf dreiundsechzig des Strafgesetzbuches kommt er in eine psychiatrische Klinik Und der Richter hat auch betont, dass das kein Zuckerschlecken ist.

00:38:43: Das sollte man sich nicht so vorstellen, dass er da jetzt ein gutes Leben hätte und sich keine Gedanken machen müsste.

00:38:50: Er sagte, es ist schon mit Knast- und Haftvergleichbar.

00:38:54: Menschen sind da Jahrzehnte manchmal und das Ganze ist zeitlich nicht begrenzt.

00:38:59: Das heißt, er kommt nicht automatisch nach zehn oder fünf Zehn Jahren raus.

00:39:04: Es kann tatsächlich sein, dass ihr den Rest seines Lebens dort bleibt.

00:39:09: Das Ganze ist nur so aufgebaut, dass er irgendwann durch ein Verfahrenläufe geprüft wird.

00:39:16: Geht von ihm noch eine Gefahr aus.

00:39:18: Aktuell sind sich alle einig.

00:39:20: Er isst aktuell eine enorme Gefahr für die Öffentlichkeit.

00:39:24: deshalb muss er weggeschlossen werden.

00:39:26: im Sinne dieser Psychiatrie wo er auch Selbstverständlich keinen Freigang hat muss man einfach nochmal betonen interessant ja und Es kann sein, dass er irgendwann wieder auf freien Fuß kommt.

00:39:39: Aber nur wenn man sich sicher ist das er keinerlei Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellt.

00:39:47: und da müssen wir einfach betonen es kann sein dass dieser Fall niemals eintritt!

00:39:51: Das kann aber auch sein dass er nach vier fünf Jahren eintritt oder?

00:39:55: Muss man mit Ja beantworten.

00:39:57: trotzdem sehr unwahrscheinlich.

00:40:00: Sehr unwahrscheinlich aufgrund der Tat Und aufgrund seiner ganzen Vorgeschichte.

00:40:06: Wie gesagt, diese gefährliche Mischung haben auch noch mal alle betont... Also es ist nicht die reine Schizophrenie!

00:40:11: Man kann mit Schizophrenien ein total normales Leben führen und er war gut auf Tabletten eingestellt.

00:40:17: Er hätte einen super Leben haben können, ein ganz normales.

00:40:21: Aber durch diesen Drogenkonsum und dadurch dass er seine Tablette einfach nicht mehr genommen hat das hat natürlich diese gefährlichen Mischungen gemacht diesem bestialischen Monster gemacht hat, dass er dann geworden ist.

00:40:35: Dass er dann quasi zugestochen hat und jetzt verurteilt wurde?

00:40:40: Jetzt verurteilte es.

00:40:41: Im Moment... Er sei gesprochen wurde aber gleichzeitig den Paragraf- III bekommen hat und nun in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist.

00:40:49: Genau so ist das!

00:40:51: Ja, Sina.

00:40:52: Vielen Dank für dieses tolle Gespräch!

00:40:53: Das ist ein sehr intensives Thema gewesen oder isst ein sehr intensives Thema.

00:40:58: Schön dass wir uns darüber unterhalten konnten.

00:41:00: Noch eine Sache die mir noch ganz auf den Fingern kitzelt drauf weißte... du weißt was ich meine?

00:41:10: Ich mach diese Geschichte auch so worig weil das wirklich eine richtig spannende Geschichte muss man ehrlich sagen.

00:41:15: Auch weil es eigentlich nicht irgendeinen.

00:41:18: Es geht nicht um den Mordmotiv, es ist einfach nur so passiert.

00:41:22: Und das ist das Spannende daran und das passiert sehr ... Nicht so häufig eigentlich ne?

00:41:26: Nein!

00:41:27: Der Punkt ist meistens gibt's ja einen Motiv eben für so'n Mord.

00:41:30: Ja.

00:41:30: Das ist der Punkt aber... Es gab auch zwei Gruppen bei den Prozessen zwischendurch also beim ersten Prozesstag oder beim zweiten.

00:41:38: ich weiß jetzt nicht genau, aber da hattest du zu mir gesagt, da gibts einmal die Gruppe, die Freunde des Täters Und die Freunde des Opfers.

00:41:49: Wie hast du die Freunde des Täters eigentlich wahrgenommen?

00:41:53: Sehr ruhig, also sie wollten auch gar nicht mit der Presse oder so sprechen was ich total verstehen kann weil man natürlich Gefahr läuft sich dadurch angreifbar zu machen.

00:42:02: Es war eindeutig dass Sie zum Täter gehörten und sie sagten am ersten Prozesstag dann im Vier-Augengespräch auch das sie für den Tobias da wären.

00:42:12: Und das war natürlich schon komisch, weil man natürlich auch immer vielleicht die so einen Vorurteil hat.

00:42:18: Wie so jemand hat Freunde... Ja!

00:42:22: Aber natürlich hatte er auch Freunde.

00:42:24: Selbstverständlich und das

00:42:25: Spannende wo wir vielleicht sogar in einem zweiten Teil darauf eingehen sollten es ist am zweiten Prozesstag eine Zeugin aufgerufen worden, die keiner auf dem Schirm hatte und zwar eine sehr enge Freundin des Täters die noch am Abend vor der Tat mit ihm im engen Kontakt und Austausch war, und die Gefahr eigentlich hat kommen sehen.

00:42:47: Und was sie ausgesagt hat, war sehr

00:42:50: erschreckend.".

00:42:50: Und das bei unter der Lupe.

00:42:54: Schön, dass ihr zugehört habt und jetzt wisst ihr ja ein bisschen mehr.

00:42:58: Zumindest gibt es sehr viele Kommentare von euch oder vielen anderen Leuten die hier schreiben.

00:43:04: Das war ja so'n Sohn!

00:43:05: Man hätte ihn ganz schlimm verurteilen müssen usw.

00:43:09: Oder es gibt ja noch schlimme Kommentare... Aber wir haben hoffentlich damit jetzt so ein bisschen was aufgeklärt.

00:43:15: Und das ist uns auch so ein Anliegen, genau diese Sache aufzuklären.

00:43:18: Ganz genau!

00:43:19: Und deswegen bis zur nächsten Folge.

00:43:20: Sina Heiner und Stanley Dost waren das.

00:43:22: Bis bald unter der Lupe.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.